Zur "Trilogie im KulturhausHamm"

 

Im Zentrum von Hamm (Sieg) ist die lange erwogene Umgestaltung der Ortsmitte vorangeschritten.

Diese widmet sich insbesondere oder zunächste dem näheren und weiteren Umfeld des Synagogenplatzes. An diesen grenzt das ehemalige David-haus, dem ein Neubau angefügt wurde. Für die neu gefundene architektonische Einheit habe ich mir eine dreiteilige Arbeit überlegt.

Und: So wie die Architekten mit ihrem Gebäude respektvoll dem historischen Ort entsprechen und gleichzeitig, wie offensichtlich, ein adäquates Zeichen in die Zukunft setzen, will ich dies auch tun.

Außen an der Giebelwand des David-Hauses beginnt meine "Trilogie" mit einem kleinen "Kopfstück". Dieses lenkt den Blick aus der Greifhöhe der Warenwelten und der Schaufensterfassaden in die Höhe des Gebäudes - Sehgrenzen überschreitend. Wir sehen ein Stück, ohne im gegenständlichen Sinne etwas zu erkennen. Es ist eher eine Erinnerungsform. so jedenfalls ging es mir, als ich vor etwa 10 Jahren am adriatischen Meeresstrand ein durch die Brandung umgeformtes Wurzelholz fand - konzentriert und amorph zugleich.

 

Es fiel mir sicherlich auch als eine Erinnerungsform an Kugel, Ei und Kopf zu. Denn seit etwa 20 Jahren sehe ich Gemeinsames in diesen Formen. Ich schätze nämlich die präzise Formgebung einer Kugel, finde die eines Eies spannungsreich und nahezu vollkommen. Beider Grenzen wirken für das Auge und den jeweiligen "Um-Raum" offen, das heißt grenzüberschreitend.

Mein Kopfstück ist also kein Kopf im Sinne eines Portraits mit benennbarem Namen. Es zeigt sich namenlos auf die erwähnten Grundformen wesentlich reduziert im optischen Zusammenhang des Synagogenplatzes. Dor wurde die Synagoge vernichtet und Leben zugleich.

So könnte mein "Kopstück" - im Blick auf diesen Platz - die Erinnerung fortsetzen an die namenlosen Köpfe an den Westfassaden romanischer Kirchen, die die bösen Geister abwehren sollten, oder daran, dass Wurzeln Wachstum ermöglichen.

Wir können nachlesen, welche Bedeutung die Wurzel Jesse für das Christentum hat, und dass im jüdischen Glauben Wurzeln und Bäume als ein gemeinsames Zeichen für Leben zu sehen sind. Ebenso ist nicht vergessen, dass unsere Köpfe Ausdrucksträger unseres Denkens und Handelns sind.

Von außen nach innen setzt sich meine Trilogie fort.

Das Innere des sanierten Altbaus durchmisst im Obergeschoss ein sichtbar gelassener Balken.

Auf diesem steht in roter Schrift, korrespondierend zur Außenfarbe des ehemaligen David-Hauses ein Satz zu lesen, der auf den Erfahrungen von uns allen beruht, die wir Häuser bewohnen und ihnen unsere eigene Geschichte einschreiben.

Der Behauptungssatz
Häuser haben ein Äußeres und ein Inneres - sie bergen Geschichte und geben der Zukunft Raum.

 

stützt sich auf die Erkenntnis, wie sehr ein jedes Äußeres sich entwickelt im Wechsel vielschichtiger Einwirkungen. Dies gilt für Sachen und Menschen. Auch wenn die tragenden Stützen des "Informationsträgers" durch eine "Trockenbauweise" berkleidet und unsichtbar wurden, bleibt das behauptende Gedanke und das Plädoyer, in dem neuen Gebäude, dem David-Haus, ein Zusammensein unterschiedlichster Menschen zu ermöglichen.

Nur ein kulturelles Bewusstsein, das entwickelt und gepflegt sein muss, trägt eine Zukunft.

In diese oder zu dieser öffnet sich ein großzügiges Entree, das in den Raum beider Häuser, die eins geworden sind, einlädt. Über Treppen oder einen Aufzug lässt sich die architektonisch gewollte Höhe des lichten Ein- und Zuganges erleben. Dennoch gibt es für die Kunst hier wenig Raum.

Ein senkrechtes Wandstück von 430 x 30 cm zieht im oberen Drittel des offenen "Zwischenraumes" die Blicke auf sich, während es zurückgenommen in den Raum wirkt. Dies geschieht, indem sich die weiße Holzarbeit in ihrer Vertikalität nur manchmal, mehr behutsam, von der Wand löst. Das heißt, die "Spannung im Raum" entsteht durch die Wandnähe und den Abstand zu ihr.

Dieses Wandstück hat aber auch etwas Körperhaftes, so wie sich die großzügige Außenform in den Raum hinein behauptet. Auch an ein Armstück lässt sich denken, das sich zuspitzt; man könnte sich auch an die Aufforderung aus früheren Jahren: "Hand an die Hosennaht!" erinnert fühlen.

Nähert man sich, entdeckt man die Holzstrukturen, die durch ihr Weiß entmaterialisiert wie aber auch verstärkt werden. So hilft diese Farbigkeit, dem "Stück" an Gewicht zu nehmen, aber es gleichermaßen gewichtig wirken zu lassen.

Für sich genommen, ist dieses "Wandstück" zunächst aus einem Baum gearbeitetes Stück, also wie ein "Teil aus einem Ganzen". Hier wird es, als Teil meiner gewollten Trilogie, "ein Teil zum Ganzen" - oder ein pars pro toto - oder ein Fragment.

Erwin Wortelkamp
 
 

Kontakt

KulturHausHamm
Scheidter Straße 11-13
57577 Hamm (Sieg)
Tel.: +49 2682 969789

Fax: +49 2682 67420
Mail: kulturhaus@hamm-sieg.de

Sprechzeiten

Mo. - Fr
          8.30 - 12.00 Uhr

Mo. - Do.
        14.00 - 16.00 Uhr




Ortsplan