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Die Flinken Finger sagen Adieu

abschiedsfeier mit ein bisschen wehmut

Was sie alles gestrickt, gehäkelt, genäht und gestickt haben, wissen sie gar nicht mehr. Und auch nicht, welchen Gegenwert all die Socken und Kissen, Jacken, Mützen und Tischdecken hatten. Aber irgendwas zwischen 50.000 und 60.000 Euro werden es wohl gewesen sein, was die „Flinken Finger“ aus Hamm erarbeitet und gespendet haben. Doch nun ist Schluss. Aus Altersgründen sagen die Frauen „Auf Wiedersehen“.

Ihr Hauptquartier war das Evangelische Altenzentrum, ihre Mission zum einen die Wohltätigkeit durch Handarbeiten, zum anderen aber auch der Kontakt zu den alten Menschen und den Hilfsbedürftigen der Umgebung. Doch nach den vielen Jahren des unermüdlichen Wirkens für die Mitmenschen sind sie Flinken Finger nun in den wohlverdienten Ruhestand getreten.

Hans Schmidt, der Vorsitzende des Fördervereins Altenzentrum Hamm, dem die Gruppe „angedockt“ war, sah es mit großem Verständnis, aber dennoch mit mehr als einer Träne im Knopfloch. Waren die Flinken Finger doch eine zentrale Stütze des Vereins – und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Auch für das Image des Fördervereins wart ihr wichtig“, sagte Schmidt bei einer kleinen Verabschiedungsfeier im Altenheim.

Zu dieser waren deshalb nicht nur der Vorsitzende, sondern auch sein Stellvertreter Albert Neuhoff, Geschäftsführer Wolfgang Fischer und die Leitung des Seniorenheims erschienen. Selbst der Geschäftsführer der Ev. Altenhilfe im Kirchenkreis, Sebastian Schmalzbauer, saß mit am Tisch, wo Kaffee und Kuchen bereitstanden und auch große Blumensträuße auf die Frauen warteten.

Elisabeth Düring-Klein, Erika Fischer, Ilse Gansauer, Mia Deul, Ruth Schäfer und Helga Kautz sind zwischen 79 und 90 Jahre alt. Niemand wird ihnen übelnehmen, dass sie aus Altersgründen den Abschied nehmen. Schade ist es trotzdem. Und auch die Frauen selbst vermissen hin und wieder die gewohnten Kontakte, die zu den Heimbewohnern beim wöchentlichen „Vor-Ort-Stricken“ im Altenzentrum oder bei den Basaren in Hamm und Umgebung über die Jahre entstanden sind.

Wofür sie sich im Einzelnen eingesetzt haben, können sie selbst nicht mehr im Detail sagen. Elisabeth Düring-Klein gab aber einen groben Überblick. Die Anfänge liegen im Jahr 2007, wo sich zunächst drei Frauen zusammenfanden. Schon zwischen 2007 und 2015 kamen durch ihre Arbeit 23.250 Euro zusammen, bis zum Schluss waren es rund 46.000 Euro.

Doch damit nicht genug. Sie packten Weihnachtspakete für bedürftige Kinder, spendeten 200 Mützen für Afghanistan, strickten Socken für Rumänien, verkauften Handarbeiten für die Kinderkrebshilfe Gieleroth und unterhielten einen eigenen Laden in Hamm, der mehrmals wöchentlich geöffnet war. Beim Weihnachtsmarkt in Hamm hatten sie ihren Stand genauso wie bei Basaren in Wissen, Altenkirchen, Kirchen und sogar Westerburg.

Zentrum der Arbeit der Flinken Finger blieb aber immer das Altenzentrum, wo sie jeden Donnerstag „live“ strickten. Es gab Kaffee und Kuchen, den sie oft selbst gebacken hatten, und jeder konnte kommen. Die Kühlung für den Kuchen, die Pflanztöpfe zur Verschönerung des Foyers oder die Kaffeemaschine – dafür sorgten die Flinken Finger quasi nebenbei.

Diese kleinen Sachspenden oder auch eigener Arbeitseinsatz sind in der genannten Summe von 46.000 Euro noch nicht enthalten. Oft genug griffen die Frauen auch ins eigene Portemonnaie um beste Wolle zu kaufen. Ob die Investition beim Verkauf wieder hereinkam, danach fragten sie nicht.

„Ich werde im Jahr um die 60 Paar Socken gestrickt haben und natürlich auch noch anderes“, schätzt Erika Fischer für sich. Und Elisabeth Düring-Klein hat das Gesamtergebnis der Flinken Finger geschätzt: „Mit allem, was wir gar nicht festgehalten haben, werden es 50.000 bis 60.000 Euro gewesen sein. Eher 60.000.“

Kein Wunder also, dass der Förderverein den Abschied bedauert. Dank der Mithilfe der Flinken Finger konnte so manche Investition fürs Ev. Altenzentrum getätigt werden, und dank der häufigen Kontakte mit dem Personal gab es auch so manchen Rat, woran es denn fehlt.

Das Bedauern der Frauen aber, dass sie die Gespräche Begegnungen vermissen, könnte gelindert werden: Einrichtungsleiterin Atena Lizurek kündigte an, dass das Altenzentrum bei günstiger Corona-Lage Veranstaltungen wie offenes Kaffeetrinken oder Tanzcafé aufleben lassen will. Geschäftsführer Schmalzbauer und Vereinsvorsitzender Hans Schmidt wiederum wollen die Flinken Finger noch zu einer „Fahrt ins Blaue“ einladen.