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Streetworker Noel Schuller

Als Streetworker begibt sich Noel Schuller oft zu verschiedenen „Hotspots“ innerhalb der Verbandsgemeinde und ist dort anzutreffen, um direkten Kontakt zu Jugendlichen zu knüpfen. Allerdings ist er auch regelmäßig vor Ort im evangelischen Jugendzentrum, in der Regel von montags von 12 bis 18 Uhr, mittwochs von 16 bis 20 Uhr und freitags von 18 bis 23 Uhr.

Herr Schuller, nicht jedem ist Streetworking oder die mobile Jugendarbeit ein Begriff. Welche Ziele hat Ihre Arbeit und welche Voraussetzungen sollte man dafür mitbringen?

Die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, sehen sich vielfältigen Herausforderungen ihres Alltags gegenüber: Themen dabei sind u.a. Identitätsfindung, Probleme in der Familie, Schwierigkeiten in der Schule, Konflikte mit Freunden, Sucht, Gewalt, psychische Erkrankungen, Diskriminierung und sozialer Status.

Oftmals suchen die Jugendlichen nicht zwingend nach unmittelbaren Lösungen, sondern nach jemandem, der ihnen zuhört und sie nicht verurteilt. Daher ist es besonders wichtig, ein offenes Ohr zu haben und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Meine primäre Absicht besteht darin, die Lebensqualität der Jugendlichen zu verbessern und ihnen bei der Bewältigung ihrer persönlichen Herausforderungen zu helfen – durch individuelle Maßnahmen und Beratung. Entscheidend ist dabei (…) auf Augenhöhe mit den Jugendlichen zu arbeiten.

Streetworker verbindet man ja oft mit größeren Städten. Wie kann auch die Verbandsgemeinde Hamm (Sieg) aus Ihrer Perspektive von einem Streetworker profitieren?

Im Gegensatz zum Streetwork in größeren Städten habe ich den Vorteil, aufgrund meiner Herkunft aus der Verbandsgemeinde und meiner langjährigen Verbindungen vor Ort mit vielen Jugendlichen bereits eine Vertrauensbasis aufgebaut zu haben. Das erleichtert es mir, mit ihnen in den offenen Austausch zu gehen. So können tägliche Probleme erkannt und gemeinsam mit den Jugendlichen geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Präventive Maßnahmen und die Vermittlung weiterführender Hilfen tragen dazu bei, Schlimmeres zu verhindern und neue Perspektiven zu eröffnen. Anstatt als Autoritätsperson aufzutreten, fungiere ich als vertrauenswürdiger Ansprechpartner für die Jugendlichen, der sie vorurteilsfrei unterstützt. Dadurch kann ich ihnen den notwendigen Halt geben, um schwierige Situationen zu meistern und positive Lebenswege einzuschlagen.

Neben der akuten Krisenintervention bin ich auch präventiv tätig. In Workshops und Einzelgesprächen informiere ich Jugendliche über die Gefahren von Sucht und Drogen und unterstütze sie dabei, einen gesunden Lebensstil zu wählen.

Für die Jugendlichen bin ich zugänglich und ständig erreichbar: So kann ich sie individuell beraten und begleiten sowie ihnen helfen, die vielfältigen Herausforderungen des Alltags zu bewältigen.

Gibt es Vorurteile gegenüber Ihrem Job und den Jugendlichen, mit denen Sie gerne aufräumen würden?

Der Begriff „Streetwork“ mag für manche nach einer informellen Tätigkeit im öffentlichen Raum klingen. Dahinter verbirgt sich jedoch eine bedeutsame Aufgabe von großer Relevanz, insbesondere für Jugendliche aus herausfordernden Lebensverhältnissen. Diese Arbeit richtet sich oft an junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf, für die selbst alltägliche Aufgaben wie das Verfassen von Bewerbungsschreiben oder das Verstehen von Behördenbriefen erhebliche Hürden darstellen.

So ist es möglicherweise leichter zu verstehen, dass sich meine Tätigkeit im Bereich der überwiegend aufsuchenden Jugendarbeit bewegt, mit dem Ziel fehlende Ressourcen bei den Jugendlichen auszugleichen.

Mit Ihrer Arbeit haben Sie einen intensiven Einblick in jugendliche Lebenswelten. Liegt Ihnen dahingehend etwas auf dem Herzen?

Meinen bisherigen Erfahrungen nach gilt es, nicht nur innerhalb meiner Arbeit, sondern allgemein, Jugendliche für politische Diskurse zu sensibilisieren, insbesondere in Zeiten wachsender Spannungen, vor allem im digitalen Raum. Jugendliche sollten dazu ermutigt werden, sich aktiv für Demokratie und Toleranz einzusetzen und damit rechtsextremen und sinnleeren Ideologien entgegenzuwirken.

Gibt es schon ein Anschlussprojekt an die Theaterwoche, das für die Zukunft geplant ist?

Das Theaterprojekt baute bereits auf einer vorherigen Projektwoche zum Thema Filmentwicklung auf. Das nächste Projekt wird dann – auf die Anregung einiger Jugendlichen hin – die Erstellung individueller Podcasts sein. Hierbei sollen die Jugendlichen ihre Medienkompetenz erweitern, kreatives Denken fördern und ihre Kommunikationsfähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Teamarbeit sowie ihr Selbstbewusstsein und ihre Projektplanung verbessern.


Zurzeit befindet sich Noel Schuller noch in seinem Masterstudiengang im Bereich der Sozialarbeit. Danach möchte er eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten absolvieren.