18. Hammer Neujahrsempfang

„Stärken und Schwächen unserer Dörfer – Wie könnte ein Fitnessprogramm für die Zukunft aussehen?“ war das Thema beim 18. Hammer Neujahrsempfang

 

Die beiden Pfarrer Bruno Nebel (links) und Andreas Stöcker (2.v.r) hatten mit Bürgermeister Rainer Buttstedt (rechts) zum traditionellen Neujahrsempfang eingeladen und mit Professor  Dr. Gerhard Henkel einen kompetenten „Dorf-Anwalt“ nach Hamm gebeten.Finanzielle Zwänge, demographische Effekte und Infrastrukturprobleme sind Schlagworte, mit denen sich vor allem Dörfer auseinander zu setzen haben. Der als „Anwalt des Dorfes“ bekannte Professor  Dr. Gerhard Henkel ging beim 18. Hammer Neujahrsempfang mit seinem Vortrag „Stärken und Schwächen unserer Dörfer und Kleinstädte - Wie könnte ein Fitnessprogramm für die Zukunft aussehen?“ detailliert und praxisnah auf diesen  kompakten Themenbereich ein, gab hilfreiche Anregungen für die vor den Kommunen liegenden großen Herausforderungen und fand dabei interessierte Zuhörer. Insider stellten fest, dass von den vorgetragenen Ansätzen schon einige in der Verbandsgemeinde Hamm, vor allem in der Ortsgemeinde Bitzen, umgesetzt wurden und werden.


Dem Neujahrsempfang, zu dem traditionell die evangelische Kirchengemeinde Hamm, die katholische Kirchengemeinde Hamm und die Verbandsgemeinde Hamm eingeladen hatten, ging ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Joseph-Kirche voraus. Anschließend traf man sich im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, um nach dem Referat des Humangeographen Professor  Dr. Gerhard Henkel den in den vergangenen Jahren mit und unter den Kommunalpolitiker, Verbänden, Vereinen, Institutionen, Vertretern aus Handel und Gewerbe begonnenen zukunftsweisenden Dialog in lockerer Runde fortzuführen.


Nach der Begrüßung durch Pfarrer  Andreas Stöcker von der evangelischen Kirchengemeinde zeigte sich Der Chor Aveloona begleitete gesanglich durch den 18. Hammer Neujahrsempfang.Bürgermeister Rainer Buttstedt erfreut, mit Professor Dr. Gerhard Henkel, der sein Studium der Geographie und Germanistik an den Universitäten in Münster, Würzburg und Köln absolvierte, zahlreiche Standardwerke und Bücher veröffentlichte und 330 öffentliche Vorträge hielt, einen kompetenten Kenner der historischen und aktuellen Entwicklung des ländlichen Raumes willkommen zu heißen.


Das Dorf aktiv mitgestalten
Damit Dörfer Zukunft haben, „brauchen wir eine Gemeinschaft der Gutwilligen“, so Buttstedt. Einer für alle, alle für einen im Sinne von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. „Mit diesem Prinzip werden unsere Dörfer noch sehr viele Jahre eine Heimat voller Vorzüge sein.“


Gerade mit Blick auf den vielbeschriebenen demografischen Wandel überwiegen wohl die Sorgen und Ängste. „Wir sollten diesen Prozess aber auch als Chance verstehen – als Chance, unseren Lebensraum aktiv mitzugestalten.“


Eine Stärke des ländlichen Raumes sei es ganz gewiss, das sich Nachbarn um den Nächsten kümmern. „Was wir nicht gebrauchen können, ist die Ausgrenzung von Menschen, die zum Beispiel einen anderen Glauben haben, Hinzugezogene, die sich in ihrer neuen Heimat den dortigen Sitten und Gebräuchen komplett entziehen, dass junge Menschen – egal welcher Herkunft – ohne Bildung und Ausbildung am Wegesrand gelassen werden. Denn aus Perspektivlosigkeit folgt häufig Fanatismus, Wut, Gewaltbereitschaft.“


Die Menschen tragen das Dorf.In seinen weiteren Ausführungen nannte der Bürgermeister beispielhafte Ansätze für ein intaktes Dorf. Darunter die Sicherstellung der ärztlichen, und hier insbesondere der hausärztlichen Versorgung. „Die Altersstruktur der ortsansässigen Hausärzte sowie die Schwierigkeiten bei der Nachfolgesuche erfordern vielleicht ganz neue Überlegungen. Diese wollen wir gerne anstoßen und auch begleiten“, so Buttstedt.


Von ebenfalls großer Bedeutung sei der flächendeckende Breitbandausbau. Einige Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde Hamm hätten bereits mit Unterstützung des sogenannten GAK-Förderprogramms (Gemein-schaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) einen Ausbau vorgenommen. „Darüber hinaus bemühen wir uns, die noch nicht ausreichend versorgten Gebiete in ein gemeinsames Projekt mit dem Landkreis Altenkirchen einzubeziehen.“


In den Dörfer stecken Dynamik, Leben und Zukunft

In der regionalen Initiative für ein Duales Studium „Maschinenbau“ sah Buttstedt ein weiteres Schwerpunktthema und ein  vielversprechendes Bildungsprojekt, um junge, talentierte Menschen an die Region zu binden und zugleich den Unternehmen vor Ort die dringend benötigten Fachkräfte zu bieten. Gemeinsam mit weiteren fünf Verbandsgemeinden bewerbe man sich als LEADER-Region „Naturraum Sieg/Oberer Westerwald“. Eine Berücksichtigung dieser Bewerbung ermögliche es, unter enger Beteiligung der Menschen im sogenannten Bottom-up-Prozess Projekte gezielt am konkreten Bedarf vor Ort umzusetzen.
 
In seinem über einstündigen Referat mit Power-Point-Präsentation machte Professor Dr. Gerhard Henkel Professor  Dr. Gerhard Henkel referierte über Stärken und Schwächen der Dörfer und wie deren Zukunft aussehen könnte.deutlich, dass in den Dörfern Dynamik, Leben und Zukunft stecken. „Aber welche Chancen und Perspektiven gibt es heute für die Dorfbewohner? Oder sind die Zeiten des Dorfs doch vorbei?“


Städte und Gemeinden unterlägen mit ihrer sozialen Struktur, den Einwohnerzahlen, gesellschaftlichen Zusammensetzungen über Anforderungen an das Gemeinwesen bis hin zur Infrastruktur einem stetigen Wandel. „Und alles hinterlässt Spuren.“ Wandel sei notwendig. Aktuell erfahre man nun tiefgreifende, bisher nie dagewesene Umbrüche, darunter Änderungen in der Demographie, einen Strukturwandel in der Wirtschaft, die Internationalisierung der Märkte, Migrationstrends und den Klimawandel. „Dies stellt uns alle vor große Herausforderungen. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die nicht leicht zu beantworten sind.“


Die Kommunen und Regionen müssten sich in einem Spagat zwischen Kontinuität und der notwendigen Anpassung an die vielfältigen Wandlungsprozesse weiterentwickeln und Impulse für die Beeinflussung von Rahmenbedingungen setzen. „Dann kann man im Standortwettbewerb im ländlichen Raum bestehen und Formen der Zusammenarbeit anbieten und die gestiegenen Mobilitätsansprüche im Einklang mit den ökologischen Ressourcen bringen.“


In seinen in zwei Blöcken gegliederten Ausführungen ging Professor Henkel auf die wichtigsten Stärken und Vorzüge sowie Schwächen eines Dorfes ein und stellte danach ein Dörfer-Fitnessprogramm für die Zukunft nach dem Prinzip „Stärken stärken“ und „Schwächen abschwächen“ vor. Dabei blieb es nicht nur bei Theorien. Vielmehr wurden konkrete Handlungsfelder und Beispiele aus ganz Deutschland aufgezeigt.


„Die Kommunalpolitik muss als ‚aktivierender‘ Staat zum ständigen Moderator und Impulsgeber gegenüber der Bürgerschaft werden.“ Dabei dürfe kein „Gießkannen-PrKlarinetten-Solo mit Axel Hain.inzip“ angewendet werden. Gemeinderäte, Bürger und Vereine sollten sich aktiv mit Ideen und Vorschlägen einbringen, daraus Konzepte entwickeln und diese dann gemeinsam und zeitnah auf Augenhöhe umsetzen. 
 
Als Stärken der Dörfer nannte er Naturnähe, den ökonomischer Bestand, die Dichte der sozialen Beziehungen mit der Bereitschaft zu bürgerlichem Engagement, Vereine die sich zu dörflichen Anlässen präsentieren und die Infrastrukturausstattung. Zu den Gewinnen der Infrastrukturentwicklung in mittelgroßen Dörfern seit 1950 bis heute wurden die Wasser- und Abwasserversorgung, Energieversorgung, Schaffung von Sport- und Freizeiteinrichtungen, Kultureinrichtungen und Dorfgemeinschaftshäuser aufgeführt. Besonders hob Henkel in den Dörfern den demographischen Aufbau, den ländlichen Lebensstil mit natur-, traditions-, gemeinschafts- und anpackorientierten Aspekten, die Möglichkeit der unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten und die Zufriedenheit der Dorfbewohner hervor.


Zu den Schwächen zählte Henkel die anhaltenden Verluste der traditionellen Wirtschaftspotentiale und Infrastrukturverluste. In mittelgroßen Dörfern seien es die Verluste von Schulen, Postfilialen, Polizeistationen, Geldinstituten, speziellen Handwerksbetrieben, Gasthöfen, und Dorfläden. Henkel wies zudem auf das geringe Selbstbewusstsein der eigenen Stärken und Kräfte hin. Auch die Fusionen von Pfarreien und der dadurch bedingte Wegfall von ehrenamtlichen kirchlichen Tätigkeiten an der Basis führten zu einem Manko in den Dörfern.


Zu den Handlungsfelder für ein Dorf-Fitnessprogramm zählte der Humangeograph die Revitalisierung alter Revitalisierung alter Dorfprägender Gebäude, ein wichtiges Handlungsfeld.Dorfprägender Gebäude, die ökonomische Stabilisierung, Sicherung der Infrastruktur durch das Erhalten von Dorfläden und mögliche Gründung von Genossenschaften. Als wichtig stellte Henkel die Wichtigkeit der bürgerschaftlichen Verantwortung und das Engagement für das eigene Dorf heraus. Vereine könnten für die Außenwirkung Vereinsportraits erstellen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Auch die Traditionspflege und die Schaffung von besonderen Ereignissen könnten für ein größeres Interesse der Bürger am Dorf sorgen. Nicht zu vergessen sei die im Dorf gelebte, aber teilweise immer mehr in Vergessenheit geratene Nachbarschaftshilfe. Generationsübergreifende Aktivitäten und die Begrüßung von Neubürgern wären zur Integration ins Dorfleben sehr geeignet. Die Vielfalt und Identität der Kultur und Naturlandschaften sollten erhalten und weiter entwickelt werden. Zum Erhalt des dörflichen Lebens und der Region habe die Politik einen wesentlichen Anteil. Die Kommunalpolitik sollte als "aktivierender Staat" zum ständigen Moderator unZur Erinnerung überreichte Bürgermeister Rainer Buttstedt einen Silberbarren an Professor  Dr. Gerhard Henkel.d Impulsgeber der Bürgerkommune werden.


Besondere gesangliche und musikalische Akzente beim Neujahrsempfang setzte der Aveloona-Chor aus Altenkirchen unter dem Dirigat von Jacek Swiderski sowie Axel Hain mit der Klarinette und Bette Midlers "The rose".


„Damit unsere Dörfer Zukunft haben, brauchen wir eine Gemeinschaft der Gutwilligen“.
Bürgermeister Rainer Buttstedt.


"Wir alle tragen das Dorf".
Fazit von Professor Dr. Gerhard Henkel


„Eine Gemeinschaft kann nur durch Geben und Nehmen existieren.“
Professor Dr. Gerhard Henkel


Text und Bilder: Rolf-Dieter Rötzel

 
 
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