"Wir dürfen nie wieder schweigend danebenstehen"

Große Beteiligung an Gedenkstunde zur Pogromnacht von 1938 in Hamm


 

Nie war es so wertvoll heute: das Gedenken an die Judenpogrome von 1938. Das dachte sich offenbar auch die Bevölkerung von Hamm und Umgebung und erschien ungemein zahlreich zur Gedenkstunde auf dem Synagogenplatz.

Volles Haus zum Vortrag: Im Kulturhaus mussten zusätzliche Stühle geholt werden.

Schweigend standen Männer und Frauen, als Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen wie jedes Jahr die Namen derjenigen verlas, die Hammer Mitbürger gewesen waren, jedoch dem Terror der Nazis zum Opfer fielen, erst ausgegrenzt, dann deportiert und schließlich vielfach ermordet wurden. Niederhausen erinnerte daran, dass diese Dinge nicht weit fort, sondern „in unserer Mitte“ geschehen waren, dass völlig normale Menschen wie du und ich tatenlos dabeigestanden hatten, wie ihre Nachbarn beschimpft und verletzt, ihre Häuser geplündert und ihr Besitztum zerstört wurde.

Pfarrer Frank Aumüller (katholische Kirchengemeinde) bezeichnete es als erschreckend, wie manche Politiker die Ereignisse von damals verharmlosen und die Erinnerung an den Holocaust als „Schande“ bezeichnen. „Wir dürfen nicht schweigen, wenn Synagogen, Kirchen, Moscheen – oder auch Flüchtlingsheime – attackiert werden“, appellierte der Geistliche. Der evangelische Pfarrer Prof. Dr. Michael Klein trug nachdenkenswerte Psalmen zur Gedenkstunde bei.

Inzwischen hatte es begonnen zu regnen, doch die Menschen standen weiterhin schweigend, bis das minutenlange Glockengeläut, dessen einzelne Schläge jeder ein verlorenes Menschenleben symbolisieren, verklang.

Horst Moog brachte den Zuhörern das Unfassbare ganz nah

Im Kulturhaus machte im Anschluss der Hammer Chronist Horst Moog noch einmal deutlich, dass es wirklich in unserer Mitte geschehen war. Was in Hamm in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschah, wusste er – vor inzwischen mehr als 80 Zuhörern – so detailreich aus örtlicher Sicht zu schildern, dass Häuser, Straßenzüge und Personen den Einheimischen lebhaft vor den Augen standen.

So wusste Moog genauestens zu berichten, wo sich SA-Leute trafen, bevor sie gegen die Synagoge losschlugen, woher sie das Stroh hatten, das nicht brennen wollte, und woher das Petroleumfass, das die Kuppel schließlich doch in Flammen aufgehen ließ. Die Mauern wurden in den nächsten Tagen geschleift, die Steine teils zum Bau anderer Häuser verwendet.

Es waren aber die kleinen Dinge, die erschütterten: Karl David, der nur einen Steinwurf weit weg gewohnt hatte, musste 12 Fenster seines Hauses reparieren lassen und dafür – die Rechnung lag vor – 1694 Reichsmark selbst bezahlen. Ein paar Wochen später wurde er abtransportiert – mit einem Schild um den Hals „Ich bin ein Judenschwein“.

Fotos der Häuser mit zerschlagenen Fenstern und das Verlesen weiterer Dokumente machten die Verbrechen der Pogromnacht zusätzlich lebendig.

Weitere berührende Informationen lieferte die Ausstellung „Ihr seid die Schande unserer Schule“, die vom Schulreferat des Ev. Kirchenkreises Altenkirchen zusammengestellt worden war und den Weg des Geschwisterpaares Ruth und Arthur Seligmann von der Kindheit in Rosbach bis ins KZ Stutthof nachzeichnete. Sie wird noch bis Ende des Jahres im Kulturhaus zu sehen sein. (spa)







Der Holocaust aus Sicht zweier Kinder aus Rosbach wurde in einer Ausstellung thematisiert.


 
 
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