Bestechende Ideen fürs Kaufhaus Hassel

„Mehr Mitte bitte!“: Büro aus Berlin gewinnt Architektenwettbewerb. Auf der Galerie des Kulturhauses Hamm sind derzeit alle Architektenentwürfe des Wettbewerbs ausgestellt. Sie können noch bis 3. Mai von jedermann besichtigt werden.


 

Viele Autos mit fremden Kennzeichen rund um das Kulturhaus waren vergangene Woche äußeres Signal für die Preisverleihung im Architekturwettbewerb „Mehr Mitte bitte“. Gäste aus Mainz waren dazu ebenso erschienen wie die Wettbewerbssieger aus Berlin, Kaiserslautern und Frankfurt/Main.


Als Auslober erhielten die Ortsgemeinde Hamm und die Familie Hassel (Mutter und zwei Töchter links im Bild, rechts Ortsbürgermeister Niederhausen) eine Erinnerungstafel.

Hamm ist erst die dritte Kommune in Rheinland-Pfalz, die in den Genuss dieses Wettbewerbs zur Belebung ländlicher Ortskerne gekommen ist. Veranstaltet wird er vom Ministerium für Finanzen Rheinland-Pfalz, dem Gemeinde- und Städtebund sowie der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Aufgabenstellung ist es, bestehende Gebäude so umzugestalten bzw. zu erweitern, dass neue Impulse für die Ortsmitte entstehen. Im Fall von Hamm ist das bestehende Objekt das ehemalige Kaufhaus Hassel in der Lindenallee, und Auslober des Preises sind daher die Familie Hassel und die Ortsgemeinde Hamm.

Bürgermeister Dietmar Henrich begrüßte die Festversammlung auch im Namen von Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen, nachdem Lena Wagner (Querflöte) und Sarah Simon (Flügel) für die musikalische Einstimmung gesorgt hatten. Henrich unternahm einen Streifzug durch das Wort „Mitte“, die nach seiner Meinung nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft brauchen, sondern jeder Einzelne.

Die Mitte im vielfältigen Sinn sei früher das Zentrum eines Dorfs gewesen. Hier kaufte man ein, wohnte man und begegnete sich. Die Bedeutung des alten Ortskerns sei geschwunden, doch hoffe er, dass sie mithilfe des Wettbewerbs neu entfacht werden könne und vom Objekt Kaufhaus Hassel eine Strahlkraft ausgehe. „Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert“, zitierte er Laotse.

Die Struktur des Wettbewerbs passe sehr gut zu den Bemühungen der Verbandsgemeinde um Nachhaltigkeit: „Nicht Abriss und Neubau, sondern behutsames Modernisieren des Alten.“

Felix Edlich, Leiter der Bauabteilung im Finanzministerium, unterstrich den Nachhaltigkeitsgedanken noch, und Dr. Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz, bestätigte den beispielgebenden Aspekt. Er geht sogar von Impulsen für den Landkreis aus.

Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, findet, dass der Wettbewerbe Nachahmer finden sollte, denn „Architektur betrifft immer alle.“

Edda Kurz vom betreuenden Büro machte die Anwesenden mit den Anforderungen an die Wettbewerbsteilnehmer – 10 an der Zahl – vertraut. Mit den Worten „Mehr Mitte geht nicht“, ging sie auf den Standort des Kaufhauses Hassel gegenüber dem Rathaus und zwischen den beiden Kirchen ein. Auch zeigte sie ein historisches Bild der damaligen Kleiderfabrik Wagener.

Für die Jury erläuterte Prof. Much Untertrifaller die Herausforderung an die Architekten. „Es war eine unglaublich komplexe Aufgabe.“ Die vorhandenen Gebäude sollen so umgebaut und aufgewertet sowie durch Neubauten ergänzt werden, dass qualitätsvolles innerörtliches Wohnen entsteht. Ein hofartiger Freibereich sollte dabei sein, außerdem Platz für Gewerbe.

Eine „stimmige Antwort“ sah die Jury besonders im Entwurf des Berliner Büros Koperroth Architektur & Stadtumbau. Ihm wurde der 1. Preis verliehen für ein Ensemble aus zwei Ladenlokalen, mehreren Wohnungen und einem abgeschirmten Innenhof.

Den zweiten Preis gewann pf1BDA aus Kaiserslautern, eine Anerkennung Stein, Hemmes, Wirtz aus Frankfurt. Alle Preisträger hatten Vertretungen nach Hamm geschickt.

An allen Schritten des Wettbewerbs intensiv beteiligt: die Familie Hassel. Yella Hassel blickte zurück auf die Jurysitzungen und erinnerte an die Zeiten des Hauses als Kaufhaus. 12 bis 16 Angestellte habe ihr Vater zu den besten Zeiten gehabt, stets aber auch an der Entwicklung des Orts mitgewirkt und dies an die Kinder weitergegeben. Insofern wünschte sie dem Ort „eine sehr schöne und florierende Mitte“.

Die Umsetzung der Architektenarbeiten ist nun nicht mehr Sache des Landes, sondern allein der Familie Hassel. Sie wird abwägen müssen, ob die Pläne der Architekten auch der Realität standhalten. (spa)












Die siegreichen (mit Blumen) und zweitplatzierten Architekten





 
 
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