Bereits vor über 200 Jahren wurde über den Brandschutz in Hamm berichtet

Beim 100-jährigen Jubiläumsfest der Freiwilligen Feuerwehr Hamm beleuchteten die Redner die heutigen Anforderungsprofile sowie die damit verbundenen umfangreichen Aus- und Fortbildungen. Doch was war vor Gründungen der Feuerwehren, nicht nur im Hammer Land, sondern auch darüber hinaus?

 

Interessante Antworten hierauf gab Wehrleiter Dirk Sälzer, dem die beiden Hammer Heimatforscher Dieter Krämer und Klaus Schumacher mit einigen „Altertümchen“ zugearbeitet hatten. Sälzer begann im 18. Jahrhundert. In einem Beitrag zur Geschichte Nassaus und des Landes Hessen wird unter der Rubrik „Bau- und Feuerpolizei“ erwähnt, dass das Pfarrdorf Hamm seit 1779 über ein auf Kirchspielskosten errichtetes Spritzenhaus verfügt. Dieses stand auf dem heutigen Kirchplatz der evangelische Kirche. Die dort untergebrachte Feuerspritze konnte auch bei ortsübergreifenden Brandeinsätzen eingesetzt werden. Bekannt sind Brände in Opsen (1753), Pracht (1765), Kaltau (1773), Etzbach (1786), Bitzen (1797) und im Hammer Ortsteil „Scheidt“ (1798). Die wachsenden Dorfbrände im 18. Jahrhundert erforderten eine Intensivierung des Brandschutzes. Es wurden behördliche Festlegungen zur Verbesserung der örtlichen Löscheinrichtungen sowie per Regierungsverordnung Verhaltens-vorschriften und baupolizeiliche Vorgaben verfügt. Im September 1746 ordnete die Kanzlei der Reichsgrafschaft Sayn-Hachenburg die Anschaffung und Verbesserung von Feuerlösch-geräten in den Kirchspielen an. Zugleich griff sie eine bereits im Jahre 1716 in ähnlicher Form auf den Grund Seel- und Burbach verbindlich gewordene Bestimmung auf, indem sie jeweils sechs Untertanen zur gemeinsamen Bezahlung eines ledernen Feuereimers verpflichtete. Ins Land einheiratende und hinzuziehende Personen durften sich nur niederlassen, wenn sie zuvor 45 Kreuzer für ein solches Gefäß entrichtet hatten. Die Anfertigung und Reparatur jener Eimer, wie überhaupt die Unterhaltung der Löscheinrichtungen (Feuerspritze, Feuerleitern  und –haken) gehörte zu den Aufgaben der Kirchspiele. In der damaligen Zeit war es wohl auch üblich, über größere Brandereignisse ein Gedicht zu verfassen. So schrieb auch Konrad Köhler im Jahre 1898 ein Gedicht über den Brand einer Scheune von Wilhelm Paul in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Die Zeilen wurden von dem in Hamm geborenen und heute in Wesel lebenden Werner Abresch zur Verfügung gestellt.

 

In einer alten Uniform trug Klaus Schumacher die im Jahre 1898 niedergeschriebenen Verse vor.Hier die gereimten Verse über den Brand.

„Es war ein Mittag hell und klar, an einem Samstag wars sogar, da gab es einen Mordshalloh
und alt und jung schrie laut ojoh.
Denn Feuer schrie das ganze Dorf, vom Sainisch’ Peter bis zum Korf. Wo brennt es denn, so ganz verzagt, ein Nachbar gleich den andern fragt.
Doch bald, da stellt es sich heraus, nicht weit von der Frau Wittmanns Haus, da wütet das Element, wo alles radikal verbrennt.
Vor Angst die ganze Nachbarschaft mit wahrem Feuereifer schafft. Zu retten was zu retten ist, so lang es nur noch möglich ist.
Die aller größte Angst ausstand, Karl Rüttel, allen gut bekannt. Denn er wohnt am nächsten dran. Und nicht zu Haus, der gute Mann.
Doch seine Frau gar weis und klug, das Nötigste von dannen trug. Doch fand man noch bei diesem Suchen ´nen echten saftgen Pflaumenkuchen.
Der ward natürlich mit Behagen, an einen kühlen Ort getragen. Und bald, wenn’s meiste Feuer aus, dient er der Feuerwehr als Schmaus.
Die Feuerwach ward allbekannt, vom Herrn Bürgermeister selbst ernannt. Ein Mann von echtem Schrot und Korn, der bei dem Brande immer vorn.
Mit viel Geschick und Energie, gab er Befehle wie noch nie. Und überall da nahm er wahr, wo etwas nicht in Ordnung war.
Arg wütete die rote Spritze, der Schuster Schenk stand an der Spitze. Der spritzt zum Teufel komm heraus, beinah allein das Feuer aus.
Herr August Auen tat sein Teil, der Schlauch, der ward ihm gar nicht feil. Er spritzt und spritzt mit Mut und Kraft auf Wand und Dach der Nachbarschaft.
Herr Pfeil, der liebe gute Mann, der kam zur rechten Stunde an. Er rief, die Hinterwand muss weg, sonst geht’s dem Rüttels Häuschen schlecht.
Und wie gesagt so auch getan, man ging mit Feuerhaken dran. Und eh´ man sich’s versah, da kracht die Wand und alles war vollbracht.
Nur weil man geschwind war bei der Hand, war schnell gelöscht der böse Brand. Ins Wirtshaus gings nun froh und heiter. Auch Rüttels Häuschen „lebte“ weiter.“

 

Wehrleiter Dirk Sälzer merkte abschließend auf die bisher in diesem Jahr gefahrenen 68 Einsätze schmunzelnd an: „Wollte oder müsste heute jemand Gedichte über die Einsätze der Feuerwehr Hamm verfassen, so hätte er viel zu schreiben.“

 
 
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