Wehren sorgen sich um Tagesbereitschaft

Wenn's brennt oder jemand im verunglückten Auto eingeklemmt ist, kommt die Feuerwehr. Das ist in unserem Raum selbstverständlich, obwohl es um die buchstäblich „freiwillige“ Feuerwehr geht. Wie andere Vereine hat es die Feuerwehr aber zunehmend schwer, ihre Reihen zu schließen. Vor allem die Bereitschaft am Tage wird zum Problem.

 

Rettung Schwund an Arbeitsplätzen in der Region führt zu Personalknappheit

 

In der Verbandsgemeinde Hamm ist man gerade dabei, die „Alarmschleife“ zu ändern. Tagsüber werden künftig alle Feuerwehrleute alarmiert, bisher waren es nur diejenigen, die im Ort arbeiten. Wehrleiter Heiko Grüttner will mit dieser Maßnahme auch diejenigen „erwischen“, die zwar woanders beschäftigt sind, aber vielleicht gerade frei haben oder aus anderen Gründen in der Nähe sind.

Grüttner nennt nicht allgemeinen Nachwuchsmangel als Ursache dafür, dass die Luft dünner geworden ist, sondern den Verlust industrieller Arbeitsplätze am Ort. Man muss schon direkt in Hamm oder in der sehr nahen Umgebung beschäftigt sein, um wirklich schnell ausrücken zu können. Ein Fahrzeug mit zehn Mann Besatzung bekommt der Wehrleiter zwar auch tagsüber immer zusammen. Die Hälfte dieser Männer sind aber Mitarbeiter eines einzigen Industriebetriebs: „Wenn TMD Friction schließen würde, sähen wir alt aus“, meint Grüttner.

Da es in der Verbandsgemeinde nur die Feuerwehr Hamm und keine weiteren Löschzüge gibt, wird bei größeren Ereignissen wie bei einem Wohnungsbrand je nach Einsatzort mal die Feuerwehr aus Wissen oder Altenkirchen automatisch mitverständigt. Der Wehrleiter geht nicht davon aus, dass sich die Lage verbessern wird. So setzt er darauf, dass sich weitere Mitarbeiter der Verwaltung bei der freiwilligen Feuerwehr anmelden. Auch setzt man sich bei örtlichen Betrieben für Feuerwehrleute ein, die Arbeit oder einen Ausbildungsplatz suchen.

 

          

 

„Ja, da gibt es vielerorts Anlass, sich Gedanken zu machen“, sagt Peter Benner über die Tagesbereitschaft bei der freiwilligen Feuerwehr. Er ist sowohl Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Gebhardshain als auch Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands und kann auch den Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Betrieben bestätigen. „In Elkenroth und Steinebach beispielsweise können wir jederzeit ausrücken, aber es gibt auch reine Wohngemeinden, wo tagsüber überhaupt keiner zur Verfügung steht.“

Insgesamt habe die Feuerwehr in der VG Gebhardshain sich aber nicht zu beklagen. Trotzdem werden immer zwei Löschzüge parallel alarmiert, dazu eine separate „Schleife“ für Atemschutzgeräteträger. Außerdem kann der Wehrleiter auf ein paar Kameraden zurückgreifen, die Mitglieder ganz anderer Feuerwehren sind, aber in der VG Gebhardshain arbeiten. Das klappt laut Benner sehr gut, wenn die „Gäste“ an Übungen ihrer „Gastgeber“ teilnehmen und ihnen Ausrüstung zur Verfügung steht. Umgekehrt leiht Wehrleiter Benner zum Beispiel der Feuerwehr Kirchen einen „seiner“ Mannen, wenn es während der Arbeitszeit brennt.

Auch der Wissener Wehrleiter Roman Rüth beobachtet, dass es unter seinen Leuten immer mehr Pendler gibt, die am Tage nicht für Einsätze zur Verfügung stehen. In früheren Jahren hätte man dagegen selbst einen umfangreichen Brand allein mit Mitarbeitern des Walzwerks löschen können. „Zum Glück“, so Rüth, „stehen die Arbeitgeber, die wir haben, hinter der Feuerwehr und legen Beschäftigten keine Steine in den Weg, wenn es Alarm gibt.“

Um Personalmangel bei der Tagesbereitschaft vorzubeugen, bilden die drei Löschzüge Ausrückegemeinschaften. „Wir haben auch schon auf Betzdorf und Hamm zurückgegriffen“, erinnert sich der Wehrleiter. Sollte sich die Lage verschärfen, könnte er sich den verstärkten Einsatz von Mitarbeitern der Verwaltung vorstellen. „Es gibt sogar schon Kommunen, die bei der Stellenbesetzung Feuerwehrangehörige bevorzugen.“ In einem Teilbereich ist die Vermischung von Ehrenamt und Hauptberuf in Wissen bereits Realität: Die Aufgaben der Gerätewarte werden von Mitarbeitern des Bauhofs wahrgenommen. Rüth sagt: „Bei all den vorgeschriebenen Prüfungen wäre das rein ehrenamtlich kaum mehr zu leisten.“

 

Quelle: Rhein-Zeitung Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 12. Januar 2013, Seite 9

Text: RZ-Mitarbeiterin Silvia Patt

Fotos: Alexander Müller

 
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