Bürger gedachten am Montagabend an jüdische Opfer

HAMM. In einer eindrucksvollen Gedenkveranstaltung erinnerten die evangelische und katholische Kirchengemeinden sowie die Ortsgemeinde Hamm am Montagabend mit der Bevölkerung an das Novemberpogrom vor 71 Jahren und an die auch aus Hamm vertriebenen und in NS-Konzentrationslagern ermordeten Juden.
 
Anzünden des Chanukkaleuchters.In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen zerstört und in Brand gesteckt, Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürger mit staatlicher Billigung geplündert und jüdische Bürger misshandelt, zu Tode geprügelt oder willkürlich verhaftet. Die Bilanz dieser furchtbaren Geschehnisse, die man bald im Volksmund mit dem Begriff „Reichskristallnacht“ verharmloste, ist niederschmetternd: Über tausend Synagogen wurden durch Feuer vernichtet, mindestens achttausend jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Diese Ereignisse bedeuteten eine Katastrophe für die bürgerliche Existenz und das Bewusstsein vieler jüdischer Bürger. Die Pogromnacht war bis dahin der Höhepunkt eines staatlichen, nicht nur tolerierten, sondern aktiv unterstützten Antisemitismus, der mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 seinen Anfang genommen hatte. Ausdrucksvoll waren die Tänze von Eva Maria Kagermann.Im KulturHaus, nur einige Schritte vom Standort der ehemaligen Hammer Synagoge entfernt, hatten sich knapp einhundert Personen eingefunden, um an das schreckliche Vergehen zu gedenken. In seinen Eingangsworten ging Pfarrer Holger Banse auf den 9. November ein, „der auf eine sehr spannungsreiche Art zwei geschichtliche Ereignisse miteinander verbindet, die sich tief in das kollektive Erinnern und damit Bewusstsein Europas eingeprägt haben. Zu einem der Fall der Mauer und zu anderen die Geschehnisse um das Novemberpogrom von 1938.“ Auf der einen Seite große, berechtigte Freude - auf der anderen Seite Scham für das, was nicht nur andernorts in großen Städten, sondern auch in der Region geschehen sei. „So mag es für den ein oder anderen gelegen kommen, Blicke mehr auf das freudige Ereignis des Mauerfalls zu legen und das von einigen als fast penetrant bezeichnete und das immer wieder auf der Deutschen Schuld hinweisende Gedenken an die Geschehnisse Händeübergießen.vor nun über siebzig Jahren in den Hintergrund zu drängen, ja sogar zu überdecken.“ Losgelöst vom Verharren in der Vergangenheit und dem was die Anwesenden zur Pogromnacht gedanklich beschäftigte, „tauchte“ man anschließend mit dem Ensemble "TheatronToKosmo" und der Performance "Halach adama“ in den damaligen jüdischen Alltag ein. Eva-Maria Kagermann tanzte ausdrucksvoll zu Thomas Kagermanns Musik oder dessen Gesang vor einer weißen Wand, auf der eine von Katharina Otte-Varolgil erstellte sensible Filmcollage mit schwarz-weiß Bildern von ehemals in der Region Hamm und Altenkirchen wohnenden jüdischen Mitbürgern sowie Schriftstücke zu sehen war. Kombiniert wurden diese Bilder mit Fotografien des Flammenmals von Erwin Wortelkamp und Aufnahmen aus dem Buch "Jüdische Familien" von Dr. Eberhard Blohm: Eine beeindruckende Filmsprache, die mahnend und dennoch hoffnungs- und zukunftsweisend wirkte. In Anlehnung an Rituale des jüdischen Glaubens, wie etwa das traditionelle "Händeübergießen", dem Mit der Musik und dem Gesang von Thomas Kagermann (rechts) wurde das Gesamt-kunstwerk vollkommen. Weiter im Bild von links: Hamms Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen, Pfarrer Holger Banse und Pfarrer Josef Rottländer.Anlegen der Zizit, den Palmwedeln und dem Anzünden des Chanukkaleuchters, zeichnete Regisseurin Katharina Otte-Varolgil auch für die Choreografie verantwortlich. Die Tänze von Eva-Maria Kagermanns wirkten wie Körperskulpturen, überaus ausdrucksstark. Getragen wurden die Tänze von Kompositionen Thomas Kagermanns, inspiriert vom jüdischen Bild- und Musikerbe. Seine Stimme berührte die Seele dabei tief und wahrhaftig; durch seine Musik wurde der Körper des Gesamtwerkes vollkommen. Klagende Flötentöne verdrängten monotone Sirenen, gaben mit der „fliegenden Geige“ Hoffnung auf Neubeginn. Pfarrer Josef Rottländer ging auf Gebete im „Vertrauen auf einen gerechten Gott“ ein und betete das Kaddisch. Hamms Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen verlas die Namen der jüdischen Mitmenschen aus Hamm, die in Konzentrationslagern umkamen oder für immer verschollen blieben.
 
 

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