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Verbandsgemeinde Hamm (Sieg) | BITZEN

15 Jahre Dorfcafé im Bitzener Bergtreff

© Frank Stiebert

Dieter Kamin erinnerte zu Beginn an die Anfänge und hatte dafür ein ganz besonderes Stück Geschichte mitgebracht: den ersten Flyer, mit dem vor 15 Jahren zum Dorfcafé eingeladen wurde. Viele Projekte hat der BNV seitdem begleitet. Manche waren für eine bestimmte Zeit genau richtig und durften irgendwann wieder gehen – etwa das gemeinsame Brotbacken oder der Flohmarkt. Andere Ideen haben sich bis heute gehalten. Dazu gehören neben den offenen Gärten vor allem die regelmäßigen Treffen im Dorfcafé.

Ein Blick auf den alten Flyer sorgte beim Jubiläum zugleich für eine kleine Überraschung: Dort waren auch die damaligen Preise abgedruckt. Und genau diese galten an diesem Nachmittag noch einmal für die Gäste – Speisen und Getränke gab es zu den Preisen von vor 15 Jahren.

Dass aus einer Vision 15 Jahre gelebte Dorfgemeinschaft werden konnten, ist vor allem Menschen zu verdanken, die eine Idee nicht nur gut fanden, sondern sie angepackt haben. Allen voran Jutta Bewer und Ursula Rötzel. Seit den Anfängen kümmern sie sich mit viel Herzblut um das Dorfcafé – von der Planung und Vorbereitung über das Backen und Bewirten bis zum Spülen danach. Vieles davon geschieht im Hintergrund und ganz selbstverständlich. Gerade deshalb nutzte Dieter Kamin das Jubiläum, um ihnen und allen, die das Dorfcafé über die Jahre unterstützt haben, ausdrücklich Danke zu sagen.

Auch Ortsbürgermeister Ralph Hörster gratulierte im Namen der Ortsgemeinde Bitzen und dankte allen Helferinnen und Helfern, die das Dorfcafé in den vergangenen 15 Jahren getragen haben. Dass längst nicht nur Menschen aus Dünebusch und Bitzen den Bergtreff besuchen, sondern regelmäßig auch Gäste aus anderen Orten kommen, zeige, wie erfolgreich sich das Angebot entwickelt habe.

Die Wurzeln des Dorfcafés reichen zurück in die Zeit der Dorfmoderation der Ortsgemeinde Bitzen. Damals ging es zunächst ganz bewusst um Visionen: Wie soll ein Dorf aussehen, in dem Menschen heute und auch in Zukunft gerne leben? Was braucht es für Kinder und Jugendliche, für ältere Menschen, für Begegnung und Gemeinschaft?

Der damalige Ortsbürgermeister Armin Weigel ermutigte die Beteiligten, zunächst frei zu denken und nicht jede Idee sofort daran zu messen, ob sie unmittelbar umsetzbar war. Die Dorfmoderation war in verschiedene Arbeitskreise gegliedert. Dort wurden die Vorstellungen weiterentwickelt und aus manchen Visionen entstanden nach und nach ganz konkrete Projekte.

Vieles davon prägt Bitzen und seinen Ortsteil Dünebusch bis heute: das Jugendcamp, die allseits bekannten bunten Bänke, die offenen Gärten und auch das Dorfcafé. Selbst der Bürger- und Nachbarschaftsverein entwickelte sich aus einem der damaligen Arbeitskreise. So wurde aus vielen Gedanken darüber, wie das Leben auf dem Berg gestaltet werden könnte, Stück für Stück etwas Bleibendes.

© Ursula Rötzel

Eine dieser Visionen war ein Dorfcafé. Jutta Bewer und Ursula Rötzel machten daraus Wirklichkeit. Der Bergtreff war zu dieser Zeit noch weitgehend leer, und vieles musste erst zusammengetragen werden: Geschirr, Besteck, Zubehör für Kuchen und Torten und zahlreiche weitere Dinge. Vieles wurde gespendet oder günstig beschafft. Als sich später der Schützenverein in Wingendorf auflöste, konnte weiteres Porzellan übernommen werden – und ein Teil davon wird noch heute genutzt.

So entstand Stück für Stück und mit einfachen Mitteln ein Ort, an dem inzwischen seit 15 Jahren Menschen zusammenkommen. Von Anfang an wurde gebacken, geplant, vorbereitet und aufgeräumt – ehrenamtlich. Bis zur Corona-Pandemie öffnete das Dorfcafé einmal pro Woche, heute trifft man sich zweimal im Monat.

Gedacht war das Angebot dabei nie ausschließlich für ältere Menschen. Das Dorfcafé steht allen offen. Gerade für ältere Bürgerinnen und Bürger, deren Mobilität mit der Zeit eingeschränkter wird, hat sich der regelmäßige Treffpunkt jedoch zu einem besonders wertvollen Stück Gemeinschaft entwickelt. Hier geht es um mehr als Kaffee und Kuchen: Es geht darum, bekannte Gesichter zu sehen, miteinander zu erzählen und Teil des Dorflebens zu bleiben.

Wie sehr das Angebot auch über die Ortsgrenzen hinaus geschätzt wird, zeigte beim Jubiläum Helga Krüger aus Kaltau. Die 90-Jährige besucht verschiedene Caféangebote in der Umgebung und brachte ihre persönliche Einschätzung auf den Punkt: Nach Dünebusch komme sie am liebsten – hier sei für sie das schönste Dorfcafé.

Wie viel Leben in 15 Jahren Dorfcafé steckt, zeigte eine Fotowand im Treppenhaus des Bergtreffs. Bilder vergangener Nachmittage ließen viele bekannte Gesichter, gemeinsame Feiern und kleine Augenblicke wieder lebendig werden. Es wurde geschaut, erzählt, erinnert und über das ein oder andere Foto geschmunzelt. So wurde beim Jubiläum ganz nebenbei sichtbar, was sich nur schwer in Zahlen messen lässt: wie viele Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen in diesen 15 Jahren entstanden sind.

BNV-Vorsitzender Frank Stiebert blickte deshalb nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Wer hätte bei der ersten Einladung gedacht, dass aus der damaligen Vision ein Projekt werden würde, das 15 Jahre später noch immer Menschen zusammenbringt?

Aus einer Vision wurde so ein fester Treffpunkt auf dem Berg – geschaffen und über viele Jahre getragen von Menschen, die ihre Zeit, ihre Ideen und ihr Engagement für die Gemeinschaft einsetzen. Dass das Dorfcafé auch nach 15 Jahren noch regelmäßig seine Türen öffnet, ist deshalb ein guter Grund zum Feiern.

Wer es selbst einmal kennenlernen möchte, ist herzlich willkommen: Das Dorfcafé findet alle zwei Wochen dienstags im Bergtreff statt. Und vielleicht entsteht bei dem einen oder der anderen aus einem ersten Besuch irgendwann sogar die Lust, selbst ein Stück dieser Geschichte mitzugestalten. (Text: Lara Kapschak-Weigel)